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Betreff des Beitrags: wie ist das mit autorenschaft?
Verfasst: 22.06. 2010 16:21
Hi!
Ich weiß, dass ich hier eigentlich im falschen Forum bin aber ich will das nicht in meinem Physikerforum fragen. Da lesen garantiert die falschen mit, aber ich glaube, dass was ich fragen will gilt allgemein in den naturwissenscjaften.
Vor ein paar Wochen hab ich meine Doktorarbeit fertiggemacht und die Prüfung rumgebracht. Zum glück bin ich jetzt raus, weil lange währe das zwischen meinem Betreuer und mir nicht mehr gutgegangen (das waren die längsten drei Jahre meines Lebens!). und jetzt so eine Debatte zum schluss wegen Publikationen!
Wie ist das denn mit dem schreiben von Publikationen für Fachzeitschriften, wenn ergebnisse aus meiner Doktorarbeit mitdrinstehen. Also ich meine bezügl. Autorenschaft. Wenn mein Betreuer was veröffentlicht, was von mir stammt und auch in meiner Doktorarbeit drinsteht, dann muß ich doch auch als Autor mitdraufstehen, oder? mein Betreuer kann mich doch nicht einfach weglassen, nur weil er mit mir persönlich nicht mehr zurechtkommt. umgekehrt müsste ich ihn ja auch als Autor nennen, wenn ich über Sachen aus meiner Arbeit was schreiben wollte, oder?
Aber wenn was geschrieben wird und mein Name mitdraufsteht verlangen die meisten Zeitschriften, das ich dann auch den text vorher gelesen haben und mit dem Inhalt einverstanden sein muss. Das kann man doch dann auch nicht einfach übergehen und meine Zustimmung automatisch voraussetzen.
Hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken und jemand weiß, wie das rechtlich aussieht, bin nur momentan echt sauer!
Betreff des Beitrags: Re: wie ist das mit autorenschaft?
Verfasst: 23.06. 2010 03:32
Moderator
Registriert: 02.08. 2004 18:01 Beiträge: 810 Wohnort: Deutschland
physiker hat geschrieben:
Wie ist das denn mit dem schreiben von Publikationen für Fachzeitschriften, wenn ergebnisse aus meiner Doktorarbeit mitdrinstehen. Also ich meine bezügl. Autorenschaft. Wenn mein Betreuer was veröffentlicht, was von mir stammt und auch in meiner Doktorarbeit drinsteht, dann muß ich doch auch als Autor mitdraufstehen, oder? mein Betreuer kann mich doch nicht einfach weglassen, nur weil er mit mir persönlich nicht mehr zurechtkommt.
Kenne das Problem mit dem Betreuer! Wenn du die Experimente gemacht hast und sogar beweisen kannst, dass du sie bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gemacht hast, da sie in der Doktorarbeit aufgeführt sein, dann muss dein Name auch auf einer Publikation dieser Experimente/Ergebnisse aufgeführt werden.
physiker hat geschrieben:
Aber wenn was geschrieben wird und mein Name mitdraufsteht verlangen die meisten Zeitschriften, das ich dann auch den text vorher gelesen haben und mit dem Inhalt einverstanden sein muss. Das kann man doch dann auch nicht einfach übergehen und meine Zustimmung automatisch voraussetzen.
Bislang haben bei uns alle Autoren das Paper zu lesen bekommen bevor es zum Journal geschickt wurde. Sobald es beim Journal war gab es Korrespondenz nur noch mit dem entsprechendem Autor, der als korrespondierender Autor angegeben wurde und dass ist meist der Chef vom Labor also dein Betreuer.
Betreff des Beitrags: Re: wie ist das mit autorenschaft?
Verfasst: 25.06. 2010 10:14
OK, also zumindest kommt mein Betreuer nicht so einfach an mir vorbei.
Aber wie sieht das aus wenn meine arbeit jetzt dann gedruckt wurde und auch im internet zu findne ist. Laser stehen in vielen Labors herum und wenn jemand dann meine experimente wiederholt? dann habe ich pech und die Resultate können von dem anderen veröffentlicht werden, weil ich ja nicht nachweisen kann, dass der andere nicht unabhängig von mir auf dieselben ideen gekommen ist, oder?
wie ist es eigentlich damit: mein Betreuer ist langsam beim publizieren und will ausser der umstrittenen sache gar nix von den anderen Ergebnissen veröffentlichen, ich will aber nicht, das die dann eben von anderen gesehen und geklaut werden.
kann ich sowas wie einen post-doc bei so einem konkurrenten von mir machen, dort die experimente wiederholen und die dann mit meinem post-doc betreuer anstelle meines Doktorarbeitsbetreuers veröffentlichen? denn dann ist es ja nicht geklaut sondern tatsächlich nochmal an anderer stelle per Experiment so raus gekommen.
geht das?
sorry wg. rechtschreibung und satzbau, bin immer noch auf 180...
Betreff des Beitrags: Re: wie ist das mit autorenschaft?
Verfasst: 26.06. 2010 01:06
Also ich kenn das so: wer mitgearbeitet hat (i.e. experimente/rechnungen durchgefuehrt, geld beschafft etc pp) der steht auf dem paper mit drauf. Der Erstautor ist idR derjenige, der dann das Paper schreibt.
Bei uns ist es so, dass man fuer die Promotiiion drei Paper als Erstautor braucht...
Whatever: wenn Dein Chef die Sachen nicht publizieren will, dann musst Du das eben selbst in die Hand nehmen, i.e. das Paper alleine schreiben und selbst bei der entsprechenden Zeitschrift einreichen. Natuerlich mit Deinem Betreuer als Coautor, es sei denn er will partout nicht draufstehen, dann ist das nicht mehr Dein Problem.
Ergebnisse von der Doktorarbeit waehrend des PostDocs zu publizieren ist eigentlich ganz normal, aendert aber nix an der Autorenschaft, d.h. wenn Du Deinen Chef _nicht_ auf den Papers draufhaben willst, muesstest Du wohl nochmal messen. Aber selbst dann ist es wohl problematisch...
Betreff des Beitrags: Re: wie ist das mit autorenschaft?
Verfasst: 26.06. 2010 09:30
hi zonko!
das problem scheitn zu sein - so wie ich das jetzt verstadne gabe - das mein betreuer die meisten sachen nicht veröffentlichen will, weil er sie nicht interessant findet, sie mir aber auch nicht schenken will
auf gut Deutsch: die ergebnisse wären damit tot, ausser jemand anderes stolpert zusätzlich und zufällig drüber oder klaut sie halt dann direkt aus meiner doktorarbeit
in jedem fall aber wäre dann mein beitrag zu diesen resultaten weg. und die sind nicht so uninteressant, wie mein betreuer behauptet. ein paar Sachen wurden von konkurrenten zufällig auch bearbeitet und sind super publiziert worden, aber das will mein doktor-stiefvater(mutter) nicht einsehen
kann doch nicht sein, dass meine arbeit so blockiert werden kann, die option mit dem nochmal nachmessen im postdoc und da dann publizieren (ohne betreuer) scheitn der einzige weg zu sein
Betreff des Beitrags: Re: wie ist das mit autorenschaft?
Verfasst: 27.06. 2010 10:17
Moderator
Registriert: 26.09. 2005 20:53 Beiträge: 3770
Nun... Ich wuerde jetzt fast behaupten, dass auch dein Betreuer nicht arg viel dagegen hat, wenn du das Paper schreibst, den ganzen Administrativkram auf dich nimmst und ihn einfach als Coauthor drauf hast, selbst wenn er es nicht super interessant findet, sollte er es ja doch auch nicht solchen Quatsch finden, dass er nichts damit zu tun haben will, weil sonst haette er dich ja was anderes arbeiten lassen sollen, nicht? Ich sehe es halt eher so, dass er keine Lust hat, viel Zeit in etwas zu investieren, wovon er nicht glaubt, dass es publizierbar ist - wenn du die Zeit investierst und er aufwandslos an ein Paper kommt, dann sollte ihm dies doch auch recht sein?
Ansonsten sollte doch publiziert in der Doktorarbeit auf eine Art auch "zaehlen". Natuerlich liest das kaum jemand und natuerlich geht es etwas unter beim Zitiertwerden... Wenn du im Post-Doc etwas aehnlich es machst, aber nicht genau das gleiche, dann koenntest du immernoch darauf referenzieren und damit klarstellen, dass du schon vorher aehnliches gemacht hast...
Gruesse alpha
_________________ But it ain't about how hard ya hit. It's about how hard you can get it and keep moving forward.
Betreff des Beitrags: Re: wie ist das mit autorenschaft?
Verfasst: 27.06. 2010 10:33
hi alpha!
genau das ist das problem: mein betreuer hat irgeneine publikationspsychose. alle meine vorgänger haben mich davor gewarnt, in diese "falle" zu tappen, da es bei jedem in etwa so abläuft:
* man soll eine publikation schreiben * die wird von ihm/ihr dann immer und immer wieder (teils komplett) verworfen * abschicken wird aus vielen gründen beliebig lange rausgezögert * zum schluss wird das Manuskript dann doch nicht eingereicht, da es ja von einem Referee kritisiert werden könnte (da es ja nicht interessant ist) * eigenverantwortliches abschicken ist aber nicht erluabt
Wie die betreffende person mit diesem publikationsverhalten jemals auf diesen lehrstuhl gekommen ist, ist unbegreiflich - auf diese weise wäre der Laser selber doch nie erfunden worden, und wenn doch, dann hätte nie jemand davon erfahren!
Mir geht es also nur darum:
sind meine ergebnisse dann wirklich "tod", da bis auf alle ewigkeit durch den betreuer "blockiert"? ich könnte mir vorstellen, daß man das als postdoc andernorts nochmal reproduziert, dann stecckt ein anderer geldgeber und betreuer dahinter und ich kann es endlich veröffentlichen. wenn es ein konkurrent so macht und meine ergebnisse "klaut" geht das doch auch
oder gibt es da irgendwelche rechtlichen grundlagen?
Betreff des Beitrags: Re: wie ist das mit autorenschaft?
Verfasst: 27.06. 2010 15:49
Moderator
Registriert: 26.09. 2005 20:53 Beiträge: 3770
Ich glaube kaum, dass dich irgendwer verklagen wuerde, waere ja doch auch arg laecherlich! Und dann wuerde ich halt wirklich in irgendeiner Fussnote schreiben, dass du schonmal sowas gemacht hast, aber es unveroeffentlicht (oder in der Doktorarbeit) ist. Dann denke ich kaum, dass es ein Problem sein sollte - nur die Frage, ob du einen Post-Doc-Vater findest, der sowas cool findet: Ist ja schon eine Verschwendung von Geld und Zeit, alles nochmals zu machen, nur weil man bei einem komischen Kauz gelandet ist... Manchmal koennte es helfen, wenn du das Paper mit dem Post-Doc Prof schreibst und dann den Doktorvater als Coauthor anfragst: Manche Prof.'s sind nur ihren eingenen Leuten gegenueber sehr seltsam, aber benehmen sich dann doch recht gut ihren "Kollegen" bzw. "Konkurrenten" gegenueber...
Gruesse alpha
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