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 Betreff des Beitrags: Chemie oder Pharmazie
BeitragVerfasst: 02.01. 2011 14:22 
Hallo liebe Chemiker,

ich hab in 3 Monaten mein Abi fertig und habe definitiv vor eine Richtung der Chemie zu studieren. Meine Noten sind einwandfrei und absolut unproblematisch und ich komme aus Bayern (zählt also auch was^^).
Ich interessiere mich stark für Chemie und habe mich auch bereits über die Schule hinaus mit Sachen wie der Orbitaltheorie oder der Komplexen Chemie relativ weit beschäftigt, habe also definitiv Motivation.
Zwar könnte ich es, habe aber keine Lust Medizin zu studieren, da mir das irgendwie nicht tiefgründig genug ist.
An Pharmazie interessiert mich besonders, das wirkliche "Leben" von Molekülen, und ich finde einfach das Zusammenspiel eines Organismus enorm interessant und wie man diesen in verschiedene Richtungen beeinflussen kann.
Habe allerdings wenig Lust, stupide X Sachen einfach auswendig zu lernen, ich will später auch eher in die Forschung als in die Apotheke - d.h. es würde für mich auch nahe liegen noch zu promovieren -
da es mich mehr interessiert, wie und warum ein Schmerzmittel wirkt, als 20 verschiedene Namen zu kennen, von denen ich aber im Endeffekt keine Ahnung habe.
Wenn das Ph. Studium also so ausgelegt wäre, wie oben beschrieben, würde ich lieber Pharmazie statt Chemie studieren.

Meine Fragen wären also:
1. Würdet ihr mir raten Pharmazie zu studieren oder sollte ich doch eher zu einem normalen Chemie-Studium greifen? Oder gäbe es noch Alternativen, die ihr vorschlagen würdet (Biochemie vlt. aber wohl zu viel Bio)
2. Welche Unis würdet ihr empfehlen, im Zeit Ranking habe ich herausgefunden, dass eigentlich die besten zum Promovieren und von der Ausstattung her Marbur, Freiburg und Frankfurt wären.
Leider habe ich über österreichische Unis eigentlich nichts wirklich ausschlagkräftiges gefunden, und würde mich deswegen auch über Tips in diesem Land enorm freuen.

großes Danke an alle Antworten, David.


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 Betreff des Beitrags: Re: Chemie oder Pharmazie
BeitragVerfasst: 02.01. 2011 21:53 
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Stupides Auswendig-Lernen kommt wohl in jedem Fach mal vor, wobei Pharmazie dafür bekannt ist, dass man viel auswendig lernen muss. Wenn man beispielsweise Pflanzen durchnimmt, dann kann man das schlicht nur auswendig lernen, da kann man keine Zusammenhänge begreifen etc. Da muss man einfach lernen wie die Pflanze aussieht, welchen Namen sie hat, welche Blütenform, welchen Wirkstoff etc.
Wobei die Pflanzenkunde einen sehr geringen Teil ausmacht. Im Pharmaziestudium nimmt die organische Chemie beispielsweise eine großen Teil ein und auch die Pharmakologie und pharm. Technologie.
Insbesondere in der Pharmakologie lernt man über die diversen Krankheiten, also was im Körper schief läuft, so dass diese Krankheit entsteht und welche Medikamente es bereits gibt um diese Krankheit zu bekämpfen und was genau diese Medikamente im Körper bewirken. In der Immunologie wird dies auch besprochen.

Neben dem klassischen Pharmaziestudium gibt es den Studiengang Pharmaceutical Sciences; dieser wird an der Uni Freiburg und an der LMU München angeboten (ob es den mittlerweile auch noch an anderen Unis gibt ist mir nicht bekannte). Pharmaceutical Sciences ist sehr ans klassische Pharmaziestudium angelehnt, hat aber den Vorteil, dass es ein Bachelor/Master-Studiengang ist und nicht der Approbationsordnung unterliegt, so dass man weder Famulatur, noch Staatsexamen oder praktisches Jahr absolvieren muss. Für diejenigen, die sich also ganz sicher sind, dass sie lieber in die Forschung/Industrie möchten und nicht in die Apotheke, ist dies eine gute Alternative.

Bzgl. der Uniwahl. Bis zur Promotion sind es 5 Jahre (Bachelor + Master), folglich noch nicht so viel Gedanken an die Promotion verschwenden. Während des Studiums wirst du feststellen welche Bereiche dich besonders interessieren und auf welchen Gebiet du promovieren möchtest. Es gibt sozusagen keine gute Uni zum Promovieren. Was hilft es dir, wenn angeblich Marburg eine gute Uni zum Promovieren ist, jedoch dort kein Professor ein Thema bearbeitet welche dich interessiert. Nach dem Bachelor bzw. Master kann man immer noch die Uni wechseln um an eine Uni zu gehen, die sich mehr auf den eigenen Interessenbereich spezialisiert.


Soweit ich weiß sind für Pharmazie Marburg, München, Freiburg, Heidelberg, Frankfurt bekannte/gute Namen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Chemie oder Pharmazie
BeitragVerfasst: 02.01. 2011 23:48 
danke für die ausführliche Antwort, paar Fragen:

heisst gute Alternative zu Pharmazie, dass es für die Forschung besser oder schlechter geeignet ist, oder wurst?
naja, ich denk mir hald, der Prof, der die Doktoranten dann ausbildet wird hald eher die an seiner eigenen Uni bevorzugen, oder täusche ich mich da, insofern wäre es ja besser, gleich an eine Uni zu gehen, die viele Promotionen macht oder irre ich mich?
achja, und wie sieht es bei Pharmazie mit der Grundlagenchemie aus? also schon fast in die Richtung Physik gehend, also Teilchentheorien bzw. Molekülbildungstheorien?


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 Betreff des Beitrags: Re: Chemie oder Pharmazie
BeitragVerfasst: 03.01. 2011 11:51 
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Gast hat geschrieben:
danke für die ausführliche Antwort, paar Fragen:

heisst gute Alternative zu Pharmazie, dass es für die Forschung besser oder schlechter geeignet ist, oder wurst?

Das ist egal. Für die Forschung musst du im Anschuss an beide Studiengänge noch eine Promotion absolvieren. Es gibt ein paar wenige Stellen in der Industrie, die nur von approbierten Apothekern besetzt werden dürfen, die haben aber nichts mit der Forschung zu tun. Wenn du Pharmazie studierst, dann machst du halt einfach viele Sachen, die für Forschung/Industrie überflüssig sind, sondern für die Apotheken-Tätigkeit relevant sind.

Gast hat geschrieben:
naja, ich denk mir hald, der Prof, der die Doktoranten dann ausbildet wird hald eher die an seiner eigenen Uni bevorzugen, oder täusche ich mich da, insofern wäre es ja besser, gleich an eine Uni zu gehen, die viele Promotionen macht oder irre ich mich?

Vielfach promovieren Studenten dort, wo sie auch schon ihre Diplom-/Masterarbeit gemacht haben - oftmals auch nur aus Bequemlichkeit, denn wenn dich der Prof schon kennt, dann klopft man nur mal eben an die Tür und fragt nach einer offenen Promotionsstelle, fertig. Während bei einem Wechsel zu einem fremden Prof eben eine richtige Bewerbung erfolgen muss. Ich würde nicht sagen, dass ein Prof Studenten der eigenen Uni bevorzugt; es ist wohl eher so, dass ein Prof gerne Studenten nimmt, die er schon durch Diplom-/Masterarbeit kennt, weil er weiß was er von denen erwarten kann.

Eine Uni macht keine Promotionen. In Deutschland werden Promotionsstellen vom Prof selbst durch sein eigenen Geld finanziert, als so genannte halbe Stelle (E13/2). Die Uni interessiert es nicht wie der Prof seine Doktoranden finanziert oder wieviele Doktoranden der Prof hat, das ist allein seine Sache. Wenn der Prof also keine Gelder oder auch keinen Platz mehr im Labor für einen weiteren Doktoranden hat, dann gibt es auch keine weitere Stelle bis wieder Geld und Platz da sind.

Gast hat geschrieben:
achja, und wie sieht es bei Pharmazie mit der Grundlagenchemie aus? also schon fast in die Richtung Physik gehend, also Teilchentheorien bzw. Molekülbildungstheorien?

Man hat Grundlagen der Physik und physikalischen Chemie, allerdings sehr wenig. Teilchentheorie/Molekülbildungstheorie interessiert da niemanden.Die AC nimmt einen größeren Teil im Grundstudium ein und auch die OC und analytische Chemie. OC wird dann auch noch im Hauptstudium vertieft.


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