gast123 hat geschrieben:
1) Arbeitet man nach einem genauen "Kochrezept" oder darf/muss man selber entscheiden, was der nächste Schritt ist?
Naja, da es die Uni nicht gerne sieht, wenn sich ihre Studenten samt Labor in die Luft jagen, kann man nicht einfach mal so im Labor vor sich hin panschen.
In den ersten beiden Semestern steht erstmal qualitative und quantitative anorg. Chemie auf dem Plan. Bei den Analysen bzgl. der Ionen in deinem Pulver wirst du schon selbstständig die Analysen machen um herauszufinden was drin ist, aber es gibt natürlich Bücher und Seminare in denen genau steht wie diese Analysen durchzuführen sind.
Bei den Synthesen in org. Chemie gibt es auch Arbeitsvorschriften. Es kann sein, dass man sich die selber suchen muss (je nach Uni), aber dann wird vorher mit Assistenten besprochen wie die Synthese funktioniert um sicherzustellen, dass du auch weißt was du tust.
gast123 hat geschrieben:
2) Führt man die Versuche in kleinen Gruppen durch oder jeder für sich?
Je nach Laborkapazitäten der Uni kann es wohl schon mal vorkommen, dass man Versuche in Gruppen durchführt. Bei uns waren das damals nur die beiden Physikgrundpraktika und die PC-Praktika, die man in 2er-Teams absolviert hat. AC und OC musste man allein bestreiten.
gast123 hat geschrieben:
3) Wie eng hängt die Praxis mit dem theoretischen Thema zusammen, das gerade auf dem Plan steht?
Es gibt in der Regel immer Seminare zu den Praktika, in denen genauer die praktischen Dinge besprochen werden um zu garantieren, dass die Studenten wissen was sie im Labor tun und wo die Gefahren liegen und mit welchen Substanzen man vorsichtig sein muss etc.
gast123 hat geschrieben:
4) Wie viel feinmotorisches Geschick wird vorausgesetzt?
Weiß nicht genau was du mit feinmotorischem Geschick meinst. Was wichtig ist, dass man genau arbeitet. Wenn man beispielsweise 3.4 g einer Substanz einwiegen muss bei einer Titration oder einer Synthese, dann müssen das auch 3.4 g sein und nicht 3.3 g oder 3.5 g, denn das kann das Ergebnis beeinflussen. Bei uns musste man jeden Versuch bestehen, also beispielsweise bei den Titrationen überall ein richtiges Ergebnis und auch bei den Synthesen eine bestimmte Reinheit und Ausbeute erzielen, ansonsten musste man es so oft wiederholen bis es passte.
gast123 hat geschrieben:
5) Was sind die gefährlichsten Versuche, mit denen man im Studium zu tun hat?
Gefährlich ist relativ - wenn man beispielsweise die 1000mal geäußerte Warnung des Profs bzgl. der explosiven Reaktivität von LiAlH
4 mit Wasser einfach nicht wahrnimmt, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn eine Stichflamme hochgeht als eben diese LiAlH
4 mit Wasser in Kontakt kam (es ist zum Glück niemand zu Schaden gekommen).
Ich glaube es waren vor allem die organischen Synthesen bei denen man sich eben gut vorbereiten musste, damit man eben wusste was man bei bestimmten Stoffen beachten muss - z.B. nur unter dem Abzug arbeiten etc. Wenn man sich gut vorbereiten und solche Dinge ernst nimmt und beachtet, dann kann eigentlich nichts passieren.
gast123 hat geschrieben:
6) Kann die häufige Arbeit mit Chemikalien langfristig der Gesundheit schaden?
Wenn man die Warnhinweise der Chemikalien berücksichtigt und z.B. Handschuhe trägt, wenn nötig bzw. einen bestimmten Stoff nur unter dem Abzug benutzt, dann ist man eigentlich relativ sicher und es sollten keine Langzeitschäden auftreten.