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Anfrage bei Chemiefirmen

Hier findet Ihr Antworten auf häufig gestellte Fragen.
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ondrej
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Anfrage bei Chemiefirmen

Beitrag von ondrej »

Wir haben einen Fragebogen mit Euren häufigsten Fragen an verschiedene Chemiefirmen gesendet und stellen Euch hier nun die Antworten vor.
Zuvor möchten wir uns aber ganz herzlich bei den jeweiligen Mitarbeitern der Firmen bedanken, die sich Zeit genommen haben, den Fragebogen zu beantworten.

- Welchen Stellenwert genießt ein Chemiker mit einem Bachelor-Abschluss in Ihrem Unternehmen? Werden Bachelorabsolventen überhaupt eingestellt?
Merck hat geschrieben: Bachelor-Absolventen konkurrieren mit den intern ausgebildeten Laboranten.
Hierbei bringt der Bachelor sicher frische Erkenntnisse von Aussen mit, der Laborant kennt jedoch die Unternehmensstruktur und ist praxisorientierter aufgestellt.
Henkel hat geschrieben: Bei Henkel kommt es auf die Funktion der (Einstiegs-)position an: im
Bereich der Produktion kann das Anforderungsprofil sehr wohl auf einen
BA-Studiengang ausgerichtet sein; im Bereich der chemischen
Grundlagenforschung bzw. Corp. R&D erlauben die Stellenanforderungen bisher noch keinen BA und setzen eine Promotion voraus.
Böhringer-Ingelheim hat geschrieben: bisher noch zuwenig konkrete betriebliche Erfahrung, in Teilbereichen
vorstellbar (dort wo Spezialisierung on the job möglich)
BASF hat geschrieben: Mit den neuen Studiengängen begrüßen wir die Chance für mehr Vielfalt im Hochschulstudium. Gemeinsam mit anderen Unternehmen haben wir dies mit der Erklärung "Bachelor welcome" zum Ausdruck gebracht:
http://www.hrweb.basf-ag.de/gp/HRWeb/de ... elcome.pdf
- Macht es einen Unterschied, ob jemand einen Master- oder einen Diplomabschluss hat?
Merck hat geschrieben: Bei Universitätsabsolventen macht dies keinen Unterschied in fachlicher Hinsicht. Masterabsolventen bringen sicherlich mehr Softskills (Präsentationstechniken, Moderationsfähigkeiten, etc.) mit, wie es aus dem Bologna-Beschluß hervorgeht. Bei Master-Absolventen von Fachhochschulen erwarten Unternehmen mehr Fachwissen und mehr Softskill-Fähigkeiten als von den Diplomabsolventen (FH).
Henkel hat geschrieben: Wir machen gerade die ersten Erfahrungen mit Masterabsolventen. Zudem ist es entscheident, an welcher FH / Uni ein Masterabschluss absolviert wurde.
Daher kann diese Frage noch nicht aus Sicht der Praxis beurteilt werden..
Die Entwicklung an den Unis bzw. FHs deutet jedoch darauf hin, dass ein
Diplomabschluss bald der Vergangenheit angehört, so dass der Master die
Alternative darstellt.
Böhringer-Ingelheim hat geschrieben: vergleichende Bewertung zur Zeit noch nicht möglich, ausschlaggebend für
die Einstellung ist neben der fachlichen Kompetenz die Gesamtpersönlichkeit (Sozialkompetenz)
BASF hat geschrieben: Wir stellen viele Chemiker aus anderen Ländern ein, von denen viele vor der Promotion einen Bachelor- bzw. einen Master-Abschluss erlangt haben.
Zwischen diesen Abschlüssen sehen wir keine formalen Unterschiede, es kommt vielmehr auf die individuelle fachliche und persönliche Qualifikation an.
- Benötigt man einen Doktortitel, um unproblematisch ins Berufsleben einsteigen zu können?
Merck hat geschrieben: Im Bereich der Forschung & Entwicklung ist eine Promotion unerläßlich, um zu einer wissenschaftsorientierten Arbeitsweise zu gelangen. Als promovierter Naturwissenschaftler hat man in einem innovativen und forschungsorientierten Unternehmen wie Merck die besten Entwicklungschancen. Grundsätzlich ist ein Einstieg als Bachelor- oder Masterabsolvent ebenfalls möglich. Jedoch sollte man sich insbesondere als Bachelorabsolvent im vorhinein damit auseinandersetzen, ob es ein zufriedenstellender Einstieg in das Unternehmen ist (siehe Frage 1).
Henkel hat geschrieben: Auch bei dieser Frage ist die Funktion ausschlaggebend: in unserem Bereich Corp. R&D ist eine Promotion zwingende Voraussetzung; im Bereich der Anwendungstechnik oder Produktentwicklung zB kann es auch sein - je nach weiteren Qualifizierungen und Kompetenzen - das keine Promotion vorausgesetzt wird. Grundsätzlich läßt sich jedoch sagen, dass eine Promotion den Berufseinstieg nicht erschweren wird.
Böhringer-Ingelheim hat geschrieben: Im Falle eines Einstiegs in der Forschung, Entwicklung oder Produktion
unbedingt erforderlich, auch für den weiteren beruflichen Aufstieg
BASF hat geschrieben: Chemieabsolventen werden in der BASF als Laborleiter in der Forschung eingestellt. Für diese Tätigkeit ist die Promotion Voraussetzung.

- Ist es von großem Vorteil, wenn ein Chemie-Absolvent zusätzlich ein BWL Aufbaustudium/MBA vorzuweisen hat? Wird dann ein MBA oder ein Aufbaustudium bevorzugt?
Merck hat geschrieben: Eine Zusatzqualifikation in einer komplementären Disziplin wie der BWL ist sicher von Vorteil. Grundsätzlich zählt jedoch zunächst die fachliche Spezifikation zur Beurteilung einer Bewerbung.
Henkel hat geschrieben: Grundsätzlich läßt sich diese Frage mit Nein beantworten. Soll eine Stelle
im Bereich R&D besetzt werden, suchen wir zunächst nach reinen
Naturwissenschaftlern. Ein wirtschaftliches Aufbaustudium kann im späteren Karriereverlauf von Vorteil sein.
Bei Henkel sollte man motiviert und flexibel sein sich zB nach dem
Berufsstart im Bereich R&D in einen anderen Bereich zu entwickeln (AWD,
Produktion oder sogar Controlling). Wir verfolgen dabei eine Art Konzept,
welches wir mit Tripple 2 benennen: unsere Mitarbeiter, die sich entwickeln möchten und eine Karriere bei Henkel anstreben, sollten auf Ihrem Weg einmal eine andere Funktion eingenommen haben, den Unternehmensbereich gewechselt haben und in einem anderen Land Erfahrungen gesammelt haben.
Böhringer-Ingelheim hat geschrieben: Positive Bewertung bei Nachweis von Grundkenntnissen, andererseits
bestehen Möglichkeiten der betrieblichen Förderung; Zusatz- oder Aufbaustudium nicht zwingend erforderlich (lange Studiendauer); oftmals ist ein passgenaues Anforderungsprofil nicht gegeben.
BASF hat geschrieben: In Einzelfällen bringen die Absolventen einen zusätzlichen Abschluss, z. B.
in BWL oder VWL mit. Dies ist keine Voraussetzung, kann jedoch die Grundlage einer sehr spannenden Karriere sein.
- Wie sehen die Berufschancen für Wirtschaftschemiker aus? Vor allem ohne Promotion?
Merck hat geschrieben: Es gibt sicher Einstiegsmöglichkeiten für Wirtschaftschemiker (mit oder ohne Promotion). Insbesondere im Bereich Marketing, Vertrieb, Controlling, Projektmanagement, Inhouse Consulting (teilweise Promotion erwünscht) ist ein Einstieg mit dieser Qualifikation vorstellbar.
Henkel hat geschrieben: Wir machen derzeit die ersten Erfahrungen mit Wirtschaftschemikern in
geeigneten Schnittstellenfunktionen wie dem Einkauf oder dem
Produktionscontrolling. Bis heute ist unsere Einschätzung, dass eine
Promotion an dieser Stelle nicht von Henkel erwartet und gefordert wird..
Dennoch (siehe oben): eine Promotion wird im Berufsleben nicht schaden.
Böhringer-Ingelheim hat geschrieben: Wirtschaftschemiker sind vorwiegend im Controlling oder der Investitionsplanung eingesetzt (auch in der Unternehmenszentrale)
Merck hat geschrieben: Wirtschaftschemiker und Wirtschaftsingenieure steigen direkt z. B. in der technische Marketing ein.
Das geht auch ohne Promotion - trotzdem haben wir hohe Erwartungen an die fachlichen und persönlichen Qualifikationen.

- Wie beurteilen Sie allgemein die Lage für Chemiker jetzt und wie sehen die Prognosen für die Zukunft aus? Lohnt es sich, Chemie zu studieren?
Merck hat geschrieben: Der Bedarf an Chemikern wird in der Industrie konstant bleiben, wenn nicht sogar leicht ansteigen. Der Student sollte sich bestenfalls im Vorhinein überlegen, welche Berufsausrichtung ihm Spaß machen würde. In der phamazeutisch/ chemischen Industrie wird die Promotion auch in Zukunft einen hohen Stellenwert genießen - für diese Zielgruppe ergeben sich die meisten Entwicklungsmöglichkeiten.
Henkel hat geschrieben: Primär sollte die Wahl eines Studienganges von den persönlichen Eignungen und Interessen, Veranlagungen und Spaß an der Thematik dominiert sein.. Soll der Weg später in die Industrie/Wirtschaft gehen, sollte man sich durch Praktika während des Studiums und ggf einer praxisorientierten Diplom-/Promotionsarbeit ein Bild von möglichen Berufsfeldern machen.
Für Henkel läßt sich sagen, dass wir zukünftig weiterhin zahlreiche motivierte und engagierte Chemiker / Naturwissenschaftler in Einstiegs-/Führungspositionen suchen werden; Flexibilität und Bereitschaft über den Tellerrand hinweg schauen zu wollen sind dabei genauso wichtig, wie die Qualität der akdademischen Ausbildung.
Böhringer-Ingelheim hat geschrieben: Das Studium der Chemie (künftig master of science)erstreckt sich über ein breites Spektrum von Vertiefungsrichtungen und beruflichen Möglichkeiten (Forschung, Umweltschutz, Produktion, Verfahrensentwicklung, Qualitätsmanagement etc.) Vor diesem Hintergrund lohnt es sich dieses Studienfach zu wählen. Gute Chemiker, die es verstehen komplexe Sachverhalte verständlich zu machen und damit wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs generieren werden ihren Weg gehen und erfolgreich sein.
BASF hat geschrieben: Warum es sich lohnt, Chemie zu studieren? Vor einigen Jahren hat ein Kollege von der BASF einen Artikel mit genau diesem Titel geschrieben:
http://www3.interscience.wiley.com/cgi- ... 1&SRETRY=0

Inzwischen gibt es sicher noch mehr verschiedene Beispiele und Argumente für das Chemiestudium. Die wichtigste Grundlage für so ein anspruchsvolles Studium sind jedoch Motivation, Einsatzbereitschaft und Begabung - die Einschätzung eines zukünftigen internationalen Arbeitsmarktes sollte nicht ausschlaggebend sein.
julia_ecke
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Beiträge: 6
Registriert: 12.09. 2012 15:37
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Re: Anfrage bei Chemiefirmen

Beitrag von julia_ecke »

Na ja, das hört sich für´s erste nicht so motivierend an. Aber ich denke, dass man im eigenen Interessenbereich auch mit der notwendigen Begeisterung im Auswahlgespräch punkten kann.
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